Sigmund Freud: Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten

Freud war doch Hermeneutiker und die Hermeneutik ist der natürliche Gegensatz zur Phänomenologie! Was hat er also in der Phänomenologie zu suchen? In Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten skizziert Sigmund Freud eine kleine Phänomenologie des Erinnerns, die natürlich mehr ist, als die Reproduktion des Originalereignisses aus der Vergangenheit.

Freud spricht so zum Beispiel davon, dass „etwas »erinnert« wird, was nie »vergessen« werden konnte, weil es zu keiner Zeit gemerkt wurde“ und bezeichnet damit einen Typus des inneren Zeitbewusstseins, der deswegen so problematisch werden kann, weil ein Erlebnis ein vages Störbewusstsein bildet, aber nicht zur Lösung gebracht werden kann, weil es sich nicht als Erinnerung zu erkennen gibt.

Das gehört in die genetische Phänomenologie von William James und Edmund Husserl und erfasst sehr gut eine vorprädikative Leistung, die reflexiv nicht eingeholt wird und deswegen als affektives „Ich-weiß-nicht-was“ zum vorintentionalen Phänomen wird. Sigmund Freud hat solche Konstellationen in einer hermeneutischen Sprache elementar gefasst, die auch für Phänomenologen interessant ist.

 

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