Edmund Husserl: Phänomenologie der Bewegung

Der eigene Leib ist der Nullpunkt, die Ur-Koordinate für alle Bewegungen. Von ihm aus ist alles oben, unten, links oder rechts, vorne oder hinten. Wie er sich auch immer bewegt, so kommt er selbst nicht von der Stelle, weil er immer dieser Ausgangspunkt bleibt. Das gilt auch dann, wenn sich der Leib in seinen Gliedern zu sich bewegt.

Edmund beschreibt diesen Nullpunkt in seiner Einheit von Bewegung und Wahrnehmung, die er Kinästhese nennt. Sein Text ist eine phänomenologische Meditation, ein Denkprotokoll im Telegrammstil. Diese Denknotizen zeigen dabei sehr viel besser als ein fertiger Text, wie phänomenologische Analysen handwerklich vollzogen werden.

Husserl war ein Handwerker, der keine ideengeschichtlichen Nacherzählungen produzierte. Er konnte auf Basis einfacher Phänomene analytisch zu abstrakten Erkenntnissen fortschreiten, und beim Lesen seines Textes kann man diesen Fortschritt wieder durchleben. Das macht seine Attraktivität aus.

Wozu ist es aber gut, Kinästhesen zu verstehen? Sie sind wesentlich für den Tanz wie für Sex und Erotik. In der erotischen Berührung ist es ja nicht bloß so, das Haut auf Haut abstandslos zusammen kommt. In ihr steckt eine unsichtbare Berührung, die Kinästhesis, die über Lust oder Lauheit in der Erotik entscheidet.

Edmund Husserl: Notizen zur Raumkonstitution