Augustinus: Phänomenologie der Zeit

Augustinus entwickelte in seinen Confessiones eine Zeittheorie, die für die Phänomenologie Husserls die Grundlage bildete. Der gottgefällige Einschlag in seinen Schriften sollte dabei den phänomenologisch Interessierten nicht davon abhalten, die Perlen vom tauben Gestein zu unterscheiden. Denn wo sonst gibt es eine so klare Analyse der Zeitparadoxa um Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, die am Ende zu einer strukturierten Vorstellung von der Zeitigung der Zeit führt?

Die Ausdehnung der Zeit als Synthese von Urimpression, antizipierter Zukunft und dem soeben Erlebten wird von Augustinus sorgfältig ausgearbeitet und entspricht dem, was von William James in Principles of Psychology (1890) und Edmund Husserl u.a. in Bernauer Manuskripte (1917/1918) und den Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins (1928) beschrieben worden ist. Auch Eugène Minkowskis Le temps vécu (1933) geht nicht über Augustinus hinaus.

Augustinus: Confessiones, Buch XI, Kap. 11-28