Henri Bergson: Das Lachen – deskriptive Phänomenologie als Versuch

Henri Bergson will in seiner Untersuchung über das Lachen eine Phänomenologie vor jeder Theorie entwerfen. Erst später soll vorsichtig zur Theoriebildung übergegangen werden. Da er aber ein Mann der Überschreitung ist, hält er die Theorieabstinenz konsequent nicht ein und vermengt Beschreibung mit theoretischer Erwägung.

Trotzdem ist Le Rire überzeugend, sowohl was das Lachen als Phänomen angeht, als auch, was den Umgang mit der deskriptiven Phänomenologie als Ideal bedingt. Denn wer nur beschreiben will, muss zunächst ein Bewusstsein für die Theorien entwickeln, die in diese Deskription eingehen. Mit wachsendem Bewusstsein wird dann klar, dass keine Beschreibung rein sein kann, weil mit absoluter Reinheit keine positive Aussage mehr vorgenommen werden kann – die Perspektive dazu ist einfach abhanden gekommen.

Bergson zeigt die Problematik sehr gut auf, weil das Lachen notwendig eine Perspektive braucht, als Vollzug, wie auch als Beschreibung dieses Vollzuges. Das Lachen ist ein Lehrstück für die Möglichkeiten und die Unmöglichkeiten der reinen Deskription.

 

Henri Bergson: Das Lachen, Kapitel I