Georg Simmel – Phänomenologie des Geizes

Die Setzung von Mittel, Zweck und Selbstzweck bestimmt als Form das Leben weit mehr als seine einzelnen Inhalte. So ist der Geizhals nicht bloß geizig, sondern bildet eine eigene Welt, in der ein Mittel (Geld) zum Selbstzweck wird. Ist das Geld dagegen für einen Menschen nur zum Zweck da, es zu verausgaben, bildet sich eine ganz andere gelebte Welt.

Georg Simmel hat diese Verschiebungen von Mittel, Zweck und Sinn in „Philosophie des Geldes“ analysiert. Darin hat er unabhängig von einzelnen Erlebnissen und Inhalten des Lebens in der jeweiligen Struktur von Mittel zu Zweck zu Endzweck den entscheidenden Faktor für die Lebenswelt ausgemacht. Es ist nach Simmel weniger bedeutend, was der Mensch im Einzelnen erlebt und macht, da erst die Teleologie von Instrument zu Selbstzweck den Momenten seinen Stempel aufprägt. Für den Geizigen gilt dabei: „Er liebt das Geld, wie man einen sehr verehrten Menschen liebt, in dessen bloßem Dasein.“

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