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Leere Arbeit

Wer direkt vor seiner Wohnung einen Parkplatz hat, fährt nicht gerne mit seinem Auto weg. In der Zwischenzeit könnte ja ein anderer auf dem Parkplatz parken – Katastrophe. Fährt er doch mal weg, so arbeitet es im Autofahrer. Dass er etwas verlieren kann, lässt ihn nicht los und nagt in ihm. Dabei handelt es sich um leere Arbeit, weil der Sache nach nichts bewegt wird.

Eine richtige Arbeit wäre es dann, wenn der Autofahrer sein Auto wegfahren würde und dann seinen Motorroller auf den nun freien Parkplatz abstellt. So hat er aktiv sichergestellt, dass der Platz nicht weggenommen werden kann. Denn wo Eigentum steht, das sich bewegen kann, wird das Blockieren von Raum allgemein nicht nur toleriert, sondern oft mit Sympathie gesehen. Er hat aktiv dafür gesorgt, damit es in ihm nicht mehr leer arbeitet.

Eine andere Form der leeren Arbeit findet sich beim Lehrer, der sich stellvertretend für seinen schlechten Schüler anstrengt. Er will für den Schüler, der weder kann noch möchte. Der Lehrer strengt sich an und ist angestrengt, so wie übermotivierte Eltern, die ihrem Kind beim glücklosen Fußballspielen zusehen und dabei ankrampfen. Sie wollen so wie der Lehrer anstelle des Kindes Machen und Tun, können aber nicht eingreifen. Leer ist die Arbeit, weil produktiv nichts bewegt wird; Arbeit ist sie, weil Lehrer, Mami, Papi oder Autofahrer eine Last in sich leiblich tragen und ertragen.

Wer also seine Steuererklärung über lange Zeit nicht macht, aber immer daran denkt, der übernimmt eine Last, als leiblich konkret gespürtes Zusatzgewicht. Diese Beschwerung ist anstrengend, eine echte Arbeit, aber auch eine leere Arbeit. Dennoch hat sie ihren Sinn darin, durch Druck und Stoß, den Steuerflüchtling darauf hinleiden zu lassen, doch lieber die Steuererklärung zu machen, um sich von der Last zu befreien.

Nicht alle leeren Arbeiten sind dabei auf diese Weise sinnvoll, weil es beim Arbeitsvakuum manchmal nur darum geht, vor sich selbst anwesend zu sein, was die schiere Langeweile zeigt. In ihr lastet es gewaltig, aber bloß deswegen, damit der Mensch sich immerhin dieses Wenige ist, eben eine leere Arbeit, und also nicht Nichts. Dieser Sinnhorizont ist begrenzt, aber immer noch sinnvoll.

Leere Arbeit hat eine körperliche und eine leibliche Dimension. Körper meint hier das Ding unter den Dingen, und damit so etwas wie Bluthochdruck, in dem Blut unter Druck gesetzt wird und druckvoll im Körper zirkuliert. Das ist eine physikalisch nachvollziehbare Arbeit, aber nicht unbedingt auch eine leibliche.

Leib bedeutet das Spüren des Körpers als Gefühl. Leib ist allerdings oft nicht auf ein reales physisches Geschehen angewiesen, was etwa beim Elfmeterschützen mit seinen Knien aus Gummi klar wird: seine Knie sind gar nicht der Sache nach aus Gummi, aber sie fühlen sich leiblich so an. Zudem kann die reale, physische Arbeit sich auch leiblich gar nicht manifestieren. So beim Bluthochdruck, dessen Arbeit oft gar nicht gespürt wird, obwohl er stattfindet. Körper (Ding) und Leib (Gefühl) sind nicht identisch.

Fassen wir zusammen: der faule Mensch ist oft gar nicht ganz faul, weil er durchaus arbeitet, das aber auf eine leere Weise. Was er im Horizont der Welt nicht macht, das ist ihm Druck und Last in seinem Leib. Es kann sich dabei um die leibliche Konsistenz handeln, um das Gefühl von Gummi, von Zerfließen oder auch Asche. Die leere Arbeit kann auch in Weitung bestehen, darin, dass das leibliche Gefühl vom In-die-Weite-Gehen zugleich von einem Gefühl der Enge gehemmt wird. Auch der fleißige Mensch arbeitet leer, so der Chef mit viel Verantwortung, der seine Verantwortung konkret als Kamel trägt. Sein Leibgefühl ist ihm zusätzliche Schwere, gefühltes Zusatzgewicht ungeachtet seines realen Körpergewichtes.

Sebastian Knöpker