Türkische Supermärkte können sich die Tapete sparen. Die Wände sind mit Waren zugestapelt, meistens mit einer redundanten Dosenshow. Der türkische Markt im Ludwigsburger Bahnhofsviertel hat die Tomatenkonserve von der Firma Tukaş gewählt, um die sonst verkrampfte und langweilige Wirklichkeit aufzupeppen.
Der Supermarkt in der Myliusstraße hat auch keinen Namen. Nun, ein Restaurant ohne Namen ist komisch. Das Essen schmeckt gleich ganz anders, nicht so gut, nicht so aussagekräftig – der Name fehlt eben. Beim türkischen Supermarkt ist es anders, denn Namen wie Serpa, Kaya, Duru gehen in schwebende Gleichmöglichkeit über. Nimmt man aber die Neigung der Türken, gleiches am gleichen Ort zu konzentrieren, ist es doch problematisch, wenn drei türkische Märkte an einem Ort sind, so wie am Ludwigsburger Bahnhof.
Die Mitarbeiter im Markt klingen immer leicht unterwürfig, ohne es zu sein. „Der Winter ist auch schon leicht angestaubt, nicht?“, sagt der Kunde und der Verkäufer nickt das ab. „Also, die Löcher in meinen Schuhsohlen sind auch nur vorübergehend!“, führt er weiter aus und der Verkäufer hat auch damit Fühlung.
Richtige Fragen werden dagegen gerne nicht beantwortet. „Haben Sie Schwarzkümmel?“ führt dazu, dass der Verkäufer so tut, als gäbe es auf der Welt keinen Schwarzkümmel, was dann auch die Frage beantwortet, warum er nicht im Sortiment ist. Oder er zeigt auf Kümmel, einen falschen Freund des Schwarzkümmels, und überwindet die Inhalte so. Ebenso wird die Frage nach schwarzem Sesam (=Schwarzkümmel) mit Verweis auf Sesam entschärft.
Auch viele Kunden zeigen ein in sich gekrümmtes Verhalten. Überhaupt benehmen sie sich demonstrativ wie Kunden, wollen etwas und wollen es dann aber noch anders, wenn es da ist. Eins ist sicher: Der Kunde korrigiert, will es eben nicht so, sondern auf andere Weise. Zweifel kommen auf, ob er es aber auch besser will.
Das Preis-Leistungsverhältnis sieht am Ende entsprechend so aus, etwas schlechte Waren anzubieten, dafür aber viel Verständnis für komische Kunden zu zeigen. Der Kunde zahlt für dieses Verständnis und die Zeit, die sie braucht, während man bei Aldi nur für die Ware zahlt. Die kalte Transaktion wird aber von den Kunden nicht akzeptiert, wohl hingegen die Schiefigkeit des Sortiments.
Zum Schluss, an der Kasse, kann man noch Kunden dabei zusehen, wie sie weiter einkaufen und erst einmal noch nicht bezahlen, weil sie ja noch was brauchen. Ihr ratloses Schwellen unter der Bewusstseinsschwelle arbeitet in ihnen, während die Kunden dahinter mit ihren randscharf systematischen Denken genervt sind.
Sebastian Knöpker