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Outlet-City Metzingen

Wie kann ich mit einem echten Erfolg angeben, bei dem einfach alles stimmt? Die einfachste Möglichkeit ist es, nach Metzingen zu fahren, zum Fabrikverkauf von Markenkleidung, um dort für billig Geld tolle Sachen zu kaufen.

Es gibt die Typen, die ihre Jeans aus dem Hosenautomaten für fünf Euro ziehen, und es gibt die Leute, die auf der Jagd nach rangerhöhender Kleidung nach Metzingen fahren. Die Stadt liegt am Rand von Stuttgart und die Ladenstadt selbst am Rand von Metzingen.

Vor Ort herrscht ein Fluidum von Kaufphantasien, aus dem sich der stets sprungbereite Verdacht speist, nebenan könnte es noch mehr Plus ultra geben, obwohl es im Hier und Jetzt schon ordentlich Superplus gibt. Das Resultat sind platzverdrängende Bewegungen, durch die der eine dem anderen den Raum nimmt. Die Jagd nach schönen Zufällen lässt die Leute hastig-durstig werden.

Hugo Boss ist der Platzhirsch und hat den größten Laden. Das Boss-Sortiment ist in den Jugendbereich abgedriftet und hat sich von gediegener Herrenausstatter-Qualität abgewendet. Die Folge ist mangelnde Materialgerechtigkeit, weil es junge Leute nicht interessiert, wie gut der Stoff ist und wie lange er hält. Das BOSS eine Politik der Preismissbildung betreibt, stimmt das Verhältnis von Qualität zu Preis nicht.

Übrigens, Metzingen ist auch eine echte Stadt; hier leben Menschen und es sterben auch welche. Diese kommen auf den Friedhof und der liegt am Rande der Verkaufsstadt. Und wer liegt auf dem Metzinger Friedhof? Hugo Boss persönlich im Familiengrab. Am Grab von Boss sieht man auch das Problem mit der Kleidermarke Boss, denn es steht sehr groß sein Name drauf. Beim Grab macht das Sinn, aber auf der Kleidung stört BOSS aber.

Die Kundschaft ist aber markenbewusst, mag BOSS-Schriftzüge, und schaut auf Konsumenten von Kik und Takko herunter. Solche Läden ähneln ihren Kunden, die ja Menschen mit Überbrückungsbedarf sind. Sie verbringen den Tag versuchsweise, weil er zu viel Tag, zu viel Zeit hat und zugleich zu wenig Geld vorhanden ist.

Allerdings weisen Marken wie Calvin Klein und Tommy Hilfiger dasselbe Gefälle auf, weil sie nur die nächsthöhere Stufe auf dem Weg nach oben sind, aber nicht diese Höhe selbst. Modebewusste Weihnachtsmänner, die etwas auf sich halten, würden natürlich nie bei Strellson oder Joop! kaufen. Diese Unstimmigkeit geht manchen Kunden auch auf, wenn sie vor dem Lacoste – Laden stehen und sofort eine seelische Verschlussbewegung zeigen. Diese Marke ist unterm Strich und sorgt für eine Abwehrhaltung wie sonst nur in Konfrontation mit Woolworth.

Das monumentale Dasein der Kunden wird dadurch aber insgesamt nicht gestört. Sie spüren, im Einkaufen mindestens Champions League zu spielen. Outletcity Metzingen ist entsprechend für fröhliche Phänomenologen, die keine Kulturkritiker sind, der richtige Ort.

Sebastian Knöpker