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Phänomenologisch – Deutsch: Modalisierung

Die Phänomenologie hat sich eine eigene Sprache in der Sprache erschaffen, das Phänomenologische. Das lässt sich ins Deutsche so übersetzen wie ein englischer oder französischer Originaltext.

Mo|da|li|sie|rung

Phänomenologisch

Modalisierung in der Wahrnehmung bezeichnet eine vorprädikative Beurteilung des Wahrgenommen als wirklich, kontingent, zweifelhaft, möglich oder nicht existierend.

In einen formal logischen Sinn kann ein Gegenstand kontingent sein, also wirklich, darin aber nicht auch notwendig in seiner logischen Genese.

In einem existenziellen Sinn bezieht sich Kontingenz auf den doxischen Unterschied zwischen einer numerischen Identität (ein und derselbe Gegenstand) und einer qualitativen Identität (unterschiedliche Gegenstände, dieselben Eigenschaften).

Kontingent wird ein Gegenstand im Alltag dann gesetzt, wird er als austauschbar erlebt, also genauso wie er ist, zugleich auch aber beliebig (wie die anderen). Selbst wenn es sich dabei um einen Gegenstand numerischer Identität handelt, kann das modale Wahrnehmungsurteil auf „qualitative Identität“ lauten. Dieses Urteil besitzt also keinen Wahrnheitswert, dafür aber einen besonderen ontologischen Status als Hervorbringung von Phänomenalität.

Mo|da|li|sie|rung

Deutsch

Das kleine Kind sieht in seinem Stoffteddy nicht nur irgendeinen Bären (Wirklichkeit), sondern den Teddy (Wirklichkeit + Notwendigkeit).

Verliert es seinen Begleiter und bekommt es einen qualitativ identischen Bären, so ist es in seiner Wahrnehmung nicht mehr der Bär, sondern bloß ein Bär (Kontingenz, Wirklichkeit ohne Notwendigkeit).

Sieht es einen Gegenstand im Halbdunkeln in der Tiefe des Kinderzimmers liegen, so ist es ein bloß möglicher Teddy (Möglichkeit). Kommt das Kind näher heran und sieht, dass es nicht der Teddy ist, wird seine Wirklichkeit im Wahrnehmungsurteil negiert (Negation).

Das Kind meint nicht nur, dass der Teddy das Stofftier schlechthin ist, es setzt mit seinem Wahrnehmungsurteil auch dessen Wirklichkeit (Seinsglaube als Schaffung von Wirklichkeit).

Sebastian Knöpker