Ein Snack will es, ganz leicht gegessen und verdaut zu werden. Snackability ist also die Eigenschaft, leicht konsumiert werden zu können.
Snackability ist eine Forderung geworden, die jeden Inhalt erschlägt. Soll etwas erklärt werden – der II. Weltkrieg, eine Krankheit oder die Freiheit – geht es nicht um die Erklärung, sondern um das Häppchen-Format. War das Häppchen nicht zu schwierig, dann war es auch richtig – selbst wenn nichts richtig sein konnte, weil es keinen Inhalt gab.
Die Pädagogik lässt sich stark von Snackability beugen. In herkömmlichen Erziehungsfabriken wird das zu Verstehende nicht vom Verstehen, sondern vom Format der Verdaulichkeit her bestimmt. Das funktioniert auch deshalb nicht, weil die meisten Pädagogen selbst schon Snackability-Kunden sind.
Sie verstehen nicht zunächst und vereinfachen dann, sondern lassen das Verstehen sein und snacken nur. Damit berichtet der Pädagoge als Konsument von seinen Konsumerfahrungen, von dem, was er selbst zum Snack gehabt hat.
In der Kunst ist Snackability dagegen oft verpönt. Sie soll undurchsichtig und unverständlich sein, um den fehlenden Inhalt, die nicht zündende Idee, zu kaschieren. Die Unzugänglichkeit ist hier Prinzip und rettet die schwache Kunstproduktion vor inhaltlichen Ansprüchen.
Ähnlich ist es in Teilen der Philosophie, die das zügige Verstehen deswegen nicht fördert, weil dann ihr geringer Brennwert versteckt bleibt und die Menschen sich fragen dürfen, warum der Philosoph derart intelligent ist. Grundbeispiel für diese Form der Hermetik ist Martin Heidegger, der schöne Erwartungen weckt, dass das alles viel zu bedeuten hat, ohne Substanz zu bieten. Unverständliche Philosophen setzen auf den Nimbus, nicht verstanden zu werden.
Eines ist klar: es ist das Beste, ein Thema so leicht und zugänglich werden zu lassen, wie es eben geht. Snackability definiert sich aber dadurch, der Zielgruppe und nicht dem Inhalt gerecht zu werden und interessiert sich deswegen nicht für den Inhalt selbst. Ziel ist es, beim Publikum anzukommen, aber inhaltlich nur dann etwas ankommen lassen, wenn es nicht zu schwierig ist. Ihre Ökonomie und nicht der Sachkern der Thematik bestimmt also die Inhalte.
Sebastian Knöpker